Wandern auf Erinnerungswegen in Oberschwaben, Projekt des Lokalen Aktionsplans Ravensburg

Karte der Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen im Landkreis Ravensburg. Quelle: PH-Weingarten/Prof. Dr. A. Schwab
Karte der Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen im Landkreis Ravensburg. Quelle: PH-Weingarten/Prof. Dr. A. Schwab

Der Lokale Aktionsplan Ravensburg hat die Herausgabe einer Dokumentation des Denkstättenkuratoriums zur NS-Dokumentation Oberschwaben und des Studentenwerks Weiße Rose e.V. gefördert.  Die Broschüre „Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen im Landkreis Ravensburg“ will die Bewohner/-innen und Besucher/-innen dazu anregen, die Erinnerungswege zu erkunden und über die Geschichte der Region zu erfahren.

Die Erinnerungswege sind im Landkreis Ravensburg in mehreren Gebieten verteilt. Besonders jugendliche Besucher/-innen sollen in der Kombination der Entdeckung der Natur und Landschaft mit dem Einhalt und der Besinnung an den DENKOrten dazu angeregt werden, sich in das Leben der Menschen in der NS-Zeit hineinzuversetzen.

Denkort Grauer Bus/Ravensburg-Weißenau (Euthanasie-Morde an über 600 Behinderten in Grafeneck). Quelle: Privat
Denkort Grauer Bus/Ravensburg-Weißenau (Euthanasie-Morde an über 600 Behinderten in Grafeneck). Quelle: Privat

Ein Erinnerungsweg führt beispielsweise zur ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Weißenau, aus der die Nationalsozialisten als „lebensunwert“ betrachtete Menschen im Rahmen der Euthanasie-Aktion T4 in die Vernichtungsanstalt Grafeneck deportiert haben. Des Weiteren führt der Weg zu in der Stadt verlegten Stolpersteinen und einem Zwangsarbeiterlager, in dem Kriegsgefangene unter unwürdigen Bedingungen lebten. Eine Vielzahl weiterer so genannter „DENKOrte“ auf Friedhöfen, in ehemaligen Lagern und Heilanstalten ergänzen diesen eindrucksvollen und nachdenklichen Weg geschichtsbeladener Orte.

Denkort Ravensburg St. Jodokskirche/Mahnmal (Ermordung von 29 Ravensburger Sinti in Auschwitz). Quelle: Privat
Denkort Ravensburg St. Jodokskirche/Mahnmal (Ermordung von 29 Ravensburger Sinti in Auschwitz). Quelle: Privat

Das Denkstättenkuratorium NS Dokumentation Oberschwaben, das die Broschüre herausgibt, beschreitet methodisch neue und ergänzende Wege der Dokumentation des Nazi-Systems in Deutschland; beginnend bei der Basis, in den Regionen und durch die Vernetzung politischer Bildung. Sie versteht sich im Vergleich zu großen Dokumentationsstätten und zentralen Quellen (wie Yad Vashem, Auschwitz, Dachau, Topographie des Terrors, Zentrale Gedenkstätte deutscher Widerstand etc.) als lokal und regional „vernetzte Dokumentation von unten“. Die Erstellung der Broschüre wurde im Jahr 2012 und die Einrichtung der Internetseite wurde im Jahr 2013 im Rahmen des Lokalen Aktionsplans Ravensburg durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Broschüre zum Herunterladen und weitere Informationen zu diesem und anderen Erinnerungswegen: http://www.dsk-nsdoku-oberschwaben.de/de/erinnerungswege.html