Rolf Graser, Leiter des Modellprojekts „Gemeinsam engagiert und kreativ: Präventiver Umgang mit der Ethnisierung von Konflikten“ und Geschäftsführer des durchführenden Trägervereins, dem Forum der Kulturen Stuttgart e.V.

Wir haben Herrn Graser nach der Motivation für sein Engagement gegen Vorurteile und Rassismus gefragt. Lesen Sie hier seine eindrucksvollen Gedanken dazu:

„Die Kulturalisierung von Konflikten war für mich persönlich schon immer eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einem friedlichen und fruchtbaren Zusammenleben. Es ist schlicht und einfach dumm, Konflikte auf den kulturellen oder religiösen Hintergrund der Beteiligten zu reduzieren – Konflikte, deren Ursachen in der Regel vielfältig sind und meist in entsprechenden sozialen Verhältnissen liegen. Eine solche «Dummheit» befördert nicht nur Rassismus und Diskriminierungen und damit die Spaltung unserer Gesellschaft, sie verhindert gleichzeitig auch ein effektives, ursachenbezogenes Anpacken von Konflikten. Eine Kulturalisierung von Konflikten verhindert aber auch die Wahrnehmung und die Wertschätzung der zahlreichen Potenziale und des enormen kulturellen Reichtums, den unsere heutige, kulturell enorm vielfältige Einwanderungs­gesellschaft einem jeden bietet bzw. bieten könnte.

Der Kampf gegen dieses tief im Menschen verankertes Vorurteilsdenken, das «schneller als man denken kann» auch in Rassismus umschlagen kann, ist für mich ein enorm wichtiger Ankerpunkt unserer Arbeit, weshalb das vom Forum der Kulturen Stuttgart e.V. durchgeführte Modellprojekt «Gemeinsam engagiert und kreativ: Präventiver Umgang mit der Ethnisierung von Konflikten» mittlerweile nicht nur für mich selbst, sondern für unseren gesamten Verband zum zentralen Arbeitsfeld geworden ist.

Rolf Graser
Portrait Rolf Graser, Quelle: Rolf Graser

Ziel des Modellprojekts ist es, präventiv und kreativ der Kulturalisierung von Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft zu begegnen. Unter dem Stichwort MoVe (Miteinander ohne Vorurteile) engagieren wir uns auf den unterschied­lichsten Arbeitsfeldern und bei den verschiedenen Zielgruppen für eine größere Sensibilität im Umgang mit anderen Kulturen und Religionen. Es geht um ein vorurteilsbewusstes, antirassistisches Miteinander, um eine entschiedene Absage an Diskriminierungen und Stigmatisierungen.

Hierzu führen wir nicht nur Fortbildungsmaßnahmen und Diskussionsrunden durch (vor allem mit und für die bei uns organisierten Migrantenorganisationen), sondern auch zahlreiche kulturelle Aktivitäten, u. a. Theatergruppen und Fotoworkshops, die sich kritisch mit Vorurteilen und Stigmatisierungen beschäftigen. Wir haben eine Gruppe zusammengebracht, die einen Film zum Thema gedreht hat und planen derzeit medienpädagogisch begleitete Kampagnen gegen Rassismus und Vorurteile. Auch hier stehen Mitglieder von Migranten­organisationen im Mittelpunkt unserer Aktivitäten – ein kreatives Miteinander, das auch dazu anregen soll, sich mit den eigenen Vorurteilen zu beschäftigen, mit Vorurteilen, die natürlich auch bei den verschiedenen Migranten-Communities anzutreffen sind. Vorurteile hat jeder und ein vorurteilsbewusstes Verhalten ist für jeden eine Herausforderung, egal welchen kulturellen Hintergrund man hat.“

Das Bundesfamilienministerium und die Regiestelle freuen sich, Herrn Graser bei seinem Einsatz für Toleranz unterstützen zu können.